Da es sich bei der Frühlingswanderung um ein alljährlich wiederkehrendes Ritual handelt, ausser das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung, mag der Anlass von Aussen her betrachtet etwas langweilig erscheinen. Doch Rituale sind dazu da, Menschen zu tragen, ihnen Sicherheit zu geben und sie einfach allein durch das stetige Wiederkehren zu erfreuen. Und die Kinder haben sich sehr auf die Wanderung gefreut. Wir - eine 1./2. Klasse im Schulhaus Dorf - schauen schon frühmorgens aus einem der Fenster hoch zur Fluh. Nicht alle glauben daran, dass sie die vielen Höhenmeter dort hoch hinauf mit eigener Beineskraft bewältigen werden.
Aber alle sind sehr motiviert, voller Vorfreude auf einen Tag ohne komplizierte Rechnungen, Verben und Nomen. Ein Tag, der Plaudern und Spielen mit Kindern aus anderen Klassen verspricht. Ein Tag, an dem man Süssigkeiten und Wurst ohne Ende aus dem Rucksack packen kann und am Abend müde aber happy und nach dem Rauch der Feuerstellen nach Hause geht.
Etwas Spezielles an diesem Tag ist, dass die ganze Schule gemeinsam etwas erlebt und Beziehung schafft; klassen- und schulhausübergreifend.
Unsere 1./2. Klasse startet mit den anderen 1./2. Klassen des Schulhauses Dorf die Wanderung. Beim Tännligarten treffen wir auf unsere gleichaltrigen Kolleg:innen vom Schulhaus Bützenen. Und hoppla, da sind es plötzlich doppelt so viele Kinder, die sich auf den Waldwegen den Berg hoch bewegen. Alle freuen sich, dass sie nicht mehr in Zweierkolonne laufen müssen. Sie geniessen es, sich kreuz und quer zu bewegen und hinten und vorne bekannte und auch unbekannte Gesichter anzutreffen.
Trotz einer Znüni- und zwei Trinkpausen erreichen wir das Ziel deutlich vor dem Mittag. Die bange Frage, ob alle Kinder die vielen Höhenmeter meistern, scheint klar beantwortet!
Auf der grossen Wiese gibt es genügend Platz für alle Klassen. Nach und nach treffen die Kleinsten und die Grössten ein und nach freiem Spiel und Spass sichern sich viele Kinder einen Platz am Feuer, damit sie ihre Wurst bräteln können. Einige legen die Wurst auf den Grill und andere nutzen dazu einen «Teleskopbrätelstock».
Nach der Mahlzeit bleibt nochmals Zeit um die Aussicht, die Sonne, das dritte, vierte oder fünfte Dessert oder einen Schwatz zu geniessen, bevor es dann bereits wieder in Richtung Schulhäuser oder direkt nach Hause geht.
Ein einziges Pflaster hat unsere 1./2. Klasse an dem Tag gebraucht. Ein paar wenige Tränen mussten getrocknet werden. Ein rundherum gelungener, bereichernder, wohltuender Tag und dies sicher nicht nur für die Kinder.
Um den Bogen noch zum Anfang des Berichtes zu spannen: vermutlich war in diesem Jahr das meiste ähnlich wie in den Jahren zuvor. Aber immer wieder schön und definitiv wiederholungs- bezw. ritualwürdig.
Text & Bild: Alexandra Oelhafen
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