Zweimal im Jahr öffnet das Schulhaus Dorf der Primarschule Sissach die Türen zu einem besonderen Anlass: dem Spielmorgen. Am Donnerstag, den 16. April 2026, war es wieder so weit. Von 10.30 bis 12.00 Uhr verwandelte sich das Schulhaus Dorf in einen lebendigen Ort des Spielens, des Lachens und des gemeinsamen Entdeckens.
Was diesen Morgen besonders macht: Er gehört allen. Vom Erstklässler bis zur Sechstklässlerin – alle Kinder nehmen gemeinsam teil. Diese altersgemischte Begegnung ist kein Zufall, sondern bewusst gestaltet. Denn Lernen geschieht nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch dann, wenn Kinder unterschiedlicher Jahrgänge miteinander spielen, voneinander lernen und füreinander da sind.
Der Spielmorgen ist ein bedürfnisorientierter Anlass. Das bedeutet: Die Kinder entscheiden selbst, wohin sie gehen, mit wem sie spielen und wie lange sie bei einem Spiel bleiben. Diese Freiheit ist pädagogisch wertvoll – sie fördert Eigenverantwortung, Selbstorganisation und die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen.
Gleichzeitig bietet der Anlass etwas, das im Schulalltag oft zu kurz kommt: Er gibt den Kindern die Möglichkeit, auch jene Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler besser kennenzulernen, die normalerweise nicht in ihrer Klasse sind. Aus dem flüchtigen «Sehen auf dem Gang» wird ein Miteinander – und das stärkt das Gemeinschaftsgefühl in der ganzen Schule.
In verschiedenen Zimmern standen unterschiedlichste Spielmöglichkeiten zur Verfügung. Jedes Spiel wurde bewusst ausgewählt, weil es bestimmte Fähigkeiten und Kompetenzen fördert, die auch im Schulalltag und im späteren Leben eine zentrale Rolle spielen.
Was besonders auffiel: Die Atmosphäre war bemerkenswert ruhig und harmonisch. Die Kinder organisierten sich weitgehend selbstständig – sie fanden ihren Weg in die Zimmer, schlossen sich Gruppen an und respektierten einander.
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es zeigt, dass die Kinder soziale Regeln verinnerlicht haben – und dass sie in der richtigen Umgebung sehr wohl in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen und füreinander einzustehen.
Spiel ist die ursprünglichste Form des Lernens. Wenn Kinder spielen, sind sie intrinsisch motiviert – sie tun etwas, weil es sie interessiert und Freude bereitet. In diesem Zustand lernen sie besonders effektiv: Sie erproben Strategien, üben soziale Rollen, machen Erfahrungen mit Erfolg und Misserfolg und entwickeln dabei ihre Persönlichkeit.
Der Spielmorgen bietet ausserdem Raum für etwas, das in der leistungsorientierten Schulwelt manchmal zu kurz kommt: das Erleben von Gemeinschaft ohne Notendruck. Hier zählt nicht, wer am schnellsten rechnet oder am schönsten schreibt – hier zählt, wer zuhört, mitmacht und dazugehört.
Ein herzliches Dankeschön geht an alle Lehrpersonen, die diesen Morgen mitgestaltet und begleitet haben. Ihr Engagement macht solche Begegnungen erst möglich – und zeigt, dass Schule mehr ist als Unterricht.
Wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten Spielmorgen!
Text & Bild: Kevin Stieger
Diskussion & soziale Kompetenz
Beim Werwolf-Spiel schlüpfen die Kinder in verschiedene Rollen und müssen durch Argumentation, Beobachtung und Überzeugungskraft herausfinden, wer sich unter ihnen versteckt. Das Spiel fördert rhetorische Fähigkeiten, kritisches Denken und das Verstehen sozialer Dynamiken – Kompetenzen, die weit über den Spieltisch hinaus wertvoll sind.
Logisches Denken & Vorausplanung
Das klassische Brettspiel Mühle verlangt von den Spielerinnen und Spielern, mehrere Züge im Voraus zu denken. Kinder lernen dabei, Konsequenzen abzuschätzen, Strategien zu entwickeln und ihre Entscheidungen sorgfältig abzuwägen.
Motorik, Geduld & Ausdauer
Verschiedene Geschicklichkeitsspiele trainieren die Fein- und Grobmotorik und fordern gleichzeitig Geduld und Ausdauer. Wenn etwas beim ersten Versuch nicht klappt, üben die Kinder spielerisch, dranzubleiben und weiterzuprobieren.
Ausdruck & Einfühlungsvermögen
Beim Erklären, Zeichnen oder Vorspielen von Begriffen müssen sich die Kinder in ihr Gegenüber hineinversetzen: Wie erkläre ich etwas, damit die anderen es verstehen? Das fördert sprachliche Ausdrucksfähigkeit und Empathie zugleich.
Wissen, Wettbewerb & Frustrationstoleranz
Das digitale Wissensquiz bringt Begeisterung und ein gesundes Mass an Wettbewerb in die Gruppe. Kinder lernen, mit Siegen und Niederlagen umzugehen – eine wichtige Grundlage für die Entwicklung von Frustrationstoleranz und Sportsgeist.
Spielgeschick & Handlungsplanung
Uno verlangt Aufmerksamkeit, schnelle Entscheidungen und eine gewisse Handlungsplanung. Gleichzeitig lernen die Kinder, mit unerwarteten Wendungen umzugehen und flexibel zu reagieren.
Bauen, Konstruieren & Loslassen
Mit den schlichten Holzplättchen entstehen beeindruckende Bauwerke – und manchmal fallen sie kurz vor dem Ziel um. Kapla schult nicht nur räumliches Denken und Konstruktionsfähigkeit, sondern auch den Umgang mit Misserfolg: Manchmal muss man am Ende auch ein geglücktes Gebäude wieder abbrechen. Das ist eine wichtige Erfahrung.
Tradition, Strategie & Konzentration
Das traditionelle Schweizer Kartenspiel fördert Konzentration, Gedächtnisleistung und strategisches Denken. Jassen gehört zur helvetischen Kulturtradition und die Kinder pflegen dieses Erbe – oft mit viel Ehrgeiz und Spass.
Zufall, Strategie & Gemeinschaft
Würfelspiele verbinden Glück und Taktik und bieten eine niederschwellige Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten. Sie eignen sich besonders gut, um auch stillere Kinder einzubeziehen und ein entspanntes Miteinander zu fördern.
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